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Comedy


Historischer Wandel der Komik im deutschen Fernsehen

Peter Frankenfeld, Heinz Erhardt, Vicco von Bülow alias Loriot oder Mike Krüger - sie alle haben Generationen zum Lachen gebracht und stehen für Jahrzehnte verschiedenen Fernsehhumors.

 

Laut einer Inhaltsanalyse Cantors finden sich komische Elemente zu verschiedenen Anteilen in allen Programmformen wieder. Sendungen, die gezielt ihren Schwerpunkt auf humoristische Inhalte setzen, haben ihre Anfänge in den 1950er Jahren. Bis heute durchlebt die Komik einen historischen Wandel, denn worüber eine Gesellschaft lacht, ändert sich im Laufe der Jahrzehnte. Die folgenden Kapitel beschäftigen sich, anhand von Fernsehakteuren und Beispielsendungen, mit der Ausdifferenzierung deutscher Fernsehhumorformen von den 1950er bis 1990er Jahren.

  

1950er

Ein Showmaster legt mit großkarierter Jacke am Familienfernsehabend eine komödiantische Einlage hin. Peter Frankenfelds humorvolle Auftritte werden zum Patentrezept erfolgreichen Fernsehhumors der 1950er Jahre.

Showmaster als Akteure

Peter Frankenfeld mit seiner großkarierten Jacke Quelle: Staatsarchiv © Fernsehmuseum Hamburg e.V.
Peter Frankenfeld mit seiner großkarierten Jacke Quelle: Staatsarchiv © Fernsehmuseum Hamburg e.V.

Die Medienwissenschaftlerin Bleicher ist der Auffassung, dass anfangs Fernsehhumor strategisch instrumentalisiert worden sei, um das Fernsehen als Massenmedium durchzusetzen. Bei der Vielzahl von angebotenen Sendungen mit humoristischem Inhalt handelt es sich vor allem um Unterhaltungsshows. Die agierenden Akteure sind Showmaster wie Hans-Joachim Kulenkampff, die den Unterhaltungswert durch Einsatz von Humor zu steigern versuchen. Einer der beliebtesten und produktivsten deutschen Unterhaltungskünstler dieser Zeit ist Peter Frankenfeld, mit seinem Markenzeichen der großkarierten Jacke.

Der deutsche Unterhaltungskünstler Peter Frankenfeld

Er ist der Günther Jauch des Familienfernsehabends der 1950er Jahre und rangiert beim Bekanntheitsgrad auf einer Höhe mit Konrad Adenauer. In seinen rund 1.500 moderierten Sendungen sowie 15.000 geschriebenen Gags und Sketchen rückt er Spaß, Ulk und Heiterkeit in den Vordergrund. Die Familienshow 1:0 für Sie (1954), die mit einer komödiantischen Einlage Frankenfelds beginnt, verhilft ihm zum großen Durchbruch. Es folgen weitere Unterhaltungsshows mit dem beliebten Showmaster. In der Talentshow Toi, toi, toi (1958) hat beispielsweise der spätere deutsche Entertainer Dieter Thomas Heck seinen ersten Auftritt. Von 1960 bis 1963 läuft die Live-Sendung Guten Abend, Peter Frankenfeld, dessen Highlight die deutsche Erstausstrahlung des Silvester Kultklassikers Dinner for One bildet.

1960er

Ein deutscher Komiker namens Erhardt, amerikanische Sitcoms und die Öffentlich-Rechtlichen mit ihrem stetigen Konkurrenzkampf beeinflussen den deutschen Fernsehhumor der 1960er Jahre.

ARD und ZDF - Konkurrenzintensität mittels Komik

Der Konkurrenzkampf zwischen der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) und dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) ist prägend für die Fernsehkomik der 1960er Jahre. Das ZDF will sich als Unterhaltungskanal etablieren. Um der neuen Sendeanstalt ein gleichwertiges Unterhaltungsprogramm entgegenzusetzen, bedient sich die ARD mittels Fernsehkomik.

Slapstickhumor à la Dinner for One

In diesem Zeitraum werden vermehrt amerikanische Komödien, die als Vorläufer der späteren Sitcoms und Comedy-Shows gelten, ausgestrahlt. Boulevard- und Verwechslungskomödien sowie Slapstickhumor à la Dinner gehören zum Alltag des deutschen Fernsehprogramms. Slapstick bezeichnet eine durch körperbezogene Aktion hervorgerufene Komik, die ohne Worte auskommt. Freddie Frinton, der Hauptdarsteller des Butlers James in Dinner for One, verkörpert auf wunderbar humorvolle Weise diese Art von Humor. Als Beispiel ist hier Frintons Stolperer über den Tigerkopf zu nennen.

Die Fernsehkomödie und ihr Vertreter Heinz Erhardt

21.01.1961 - Die aktuelle Schaubude ©Contipress (30211)
Fot zeigt Heinz Erhardt in der Aktuellen Schaubude.

Weiterer Vertreter der deutschen Fernsehkomik in den 1960er Jahren ist das Fernsehspiel, in der Form der Fernsehkomödie. Es setzt sich mit den Eigenheiten der deutschen Wirtschaftswunderzeit auseinander. Als beispielhafter Komiker dieser Zeit ist Heinz Erhardt mit seinen sogenannten humorvollen sanftdoof-Elementen zu nennen.

1970er

Von gemütlichen Weihnachtsabenden mit Familie Hoppenstedt über Ottifanten bis hin zu einer großen Flasche Pommes. Die 1970er Jahre und ihre humorvollen Koryphäen.

Einführung deutscher serieller Humorsendungen

Film-Uraufführung in der "Kurbel am Jungfernstieg": Die Schauspieler Peter Kern und Diether Krebs (rechts) stellen ihren neuen Film "Tollkühne Penner mit Bettelsack und Cadillac" vor. Quelle: Staatsarchiv ©Contipress (68387)
Diether Krebs, Quelle: Staatsarchiv ©Contipress (68387)

In den 1970er Jahren beginnt die Ausdifferenzierung eines großen Spektrums an unterschiedlichen Humorformen. Serielle Humorsendungen wie Ein Herz und eine Seele, in der auch zeitweilig der populäre deutsche Komiker Diether Krebs mitwirkt, werden eingeführt. Als Vorbild dient die US-Produktion All in the Family, die wiederum auf die britische Serie Till Death Us Do Part zurückgeht, und in denen politisch unkorrekter Humor durchgesetzt wird. Die Ungewohntheit solcher Art von Humor im deutschen Fernsehen hat zu anfänglicher Kritik geführt. Gekennzeichnet ist das Humorformat, das sich jedoch schnell großer Beliebtheit erfreut, durch eine derbe Sprache und anstößige Gags sowie Anspielungen auf aktuelle politische Situationen. 

Bühnenkleinkünstler und Humorproduzenten

Vicco von Bülow alias "Loriot", Quelle: Staatsarchiv ©Contipress
Loriot, Quelle: Staatsarchiv ©Contipress

Auch Bühnenkleinkünstler wie Mike Krüger treten nun als Fernsehakteure in Erscheinung. Weitere bekannte Humorproduzenten und spätere Stars, die in dieser Zeit ihre Fernsehkarrieren beginnen, sind unter anderem Otto Waalkes, Didi Hallervorden und Vicco von Bülow (Loriot). Von Bülows Themen beschäftigen sich vor allem mit zwischenmenschlicher Kommunikationsstörung, aber auch Alltagsthemen, Familienszenen und der bürgerlichen Gesellschaft im Allgemeinen.

1980er

Einführung des Dualen Rundfunks begleitet durch Ulk und Blödeleien

Die Einführung des Dualen Rundfunks wird begleitet von Ulk und Blödeleien im deutschen Fernsehen. Qualitativer Fernsehhumor ist eine Fehlanzeige.

 

Die zweite Hälfte der 1980er Jahre ist durch eine starke Veränderung des Unterhaltungsbegriffs geprägt, die nicht zuletzt von der Einführung des Dualen Rundfunks herrührt. In diese Zeit lässt sich auch die zunehmende Verwendung des Begriffs Comedy ansiedeln. Statt niveauvollem, qualitativem, charmant geplaudertem Fernsehhumor bestimmen fortan Nonsense, Parodie, Satire, Klamauk die Fernsehunterhaltung.

Ko-Existenz von Kabarett und Comedy

Das sinkende Niveau der Fernsehunterhaltung bedient die niederen Instinkte der Zuschauer. Laut Hickethier würden durch Sendungen wie Pleiten, Pech und Pannen, mithilfe einer versteckten Kamera, "Anzüglichkeiten, Bloßstellungen, Lächerlichmachen (...) zum Unterhaltungsprinzip". Die klassische, geistvolle, gesellschaftskritisch-politisch motivierte Komik, in Form des Kabaretts, hingegen ist strikt von der Comedy zu trennen. Klassisches Kabarett und Comedy existieren nun nebeneinander.

Comedy-Boom

In den 1990er Jahren ist die Geburtsstunde des Comedy-Booms. Besonders die kommerziellen Sendeanstalten haben ihre Publikumserfolge der Fernsehkomik zu verdanken. Damit einhergehend ist der hohe Bedarf an schnellem, einfach und billig herzustellendem Material, das vor allem junge Menschen ansprechen soll. Besonders die hohen Einschaltquoten junger Zuschauer machen Comedy für die Sender so attraktiv. Statt auf politisch-geschärfte Parodie und Satire setzt das Spaßfernsehen der 1990er Jahre auf Schrilles, Skurriles und Sexualität. Außerdem richtet sich der deutsche Fernsehhumor zunehmend an britischen und amerikanischen Formaten wie den sogenannten Sitcoms aus.

Dinner-Quiz

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