Meinungen


Gefährdet das Fernsehen die Kultur und das Familienleben oder bringt es kulturellen Mehrwert? Zu Beginn des Fernsehzeitalters stehen viele Bürger dem Fernsehen skeptisch gegenüber. Erst nach und nach etabliert sich das Fernsehen zu einer festen Institution in den Haushalten.

Fernsehen und seine Gefahren

Fernsehstube im Keller des Alsterpavillons 12.1950 Quelle: Staatsarchiv Hamburg
Quelle: Conti-Press-Archiv

 

"Schadet das Fernsehen unserem Familienleben?" fragt Ernst von Salomon 1960 und kommt zu dem Schluss: "Seid nicht so ängstlich! Durch das Aufkommen neuer Möglichkeiten der Mitteilung wurde niemals das menschliche Leben besser oder schlechter." (Welt am Sonntag, 16. Oktober 1960)

 

"Fernsehen hat Gefahren" heißt es in der Westfalen-Zeitung: "…wurde in einer Entschließung festgestellt, dass im Fernsehen wertvolle Möglichkeiten zur positiven Gestaltung des deutschen kulturellen Lebens liegen." Die kulturellen und erzieherischen Gefahren seien aber nicht zu unterschätzen, die dadurch entständen, dass den Menschen "die Muße des Feierabends genommen und durch die Gewöhnung an die Suggestivkraft des Fernseh-Bild-Tones der Drang zur selbstschöpferischen Betätigung und zur Selbstverwirklichung (...) lahmgelegt" werde. (Westfalen-Zeitung, 12. Mai 1953)

 

Abgelehnt

 

Interviewumfragen ergeben 1953, dass 20 Prozent der Deutschen sich auch dann kein Fernsehgerät anschaffen würden, wenn sie das Geld dazu hätten. 40 Prozent der Ablehnenden sind gegen eine Anschaffung, weil das Fernsehen technisch noch nicht gut genug entwickelt sei. Elf Prozent finden andere Anschaffungen wichtiger, vier Prozent denken, dass Fernsehen der Phantasie keinen Raum lasse, drei Prozent meinen, dass das Fernsehen noch nicht gut genug sei, zwei Prozent wünschen kein Fernsehen, weil es von der Arbeit ablenke und ein Prozent, weil das Familienleben darunter leiden könne. (Lübecker Freie Presse, 8. Juni 1953)