Presse - Echo


Menschentraube vor dem "Pressehaus am Speersort". Quelle: Staatsarchiv Hamburg
Quelle: Conti-Press-Archiv

Offizieller Sendebetrieb des deutschen Fernsehens ist der 25. Dezember 1952, doch werden die Menschen vorher mehr als zwei Jahre lang systematisch auf das neue Medium eingestellt. Auf dem Heiligengeistfeld werden im Frühjahr 1950 erste hausinterne Übertragungen stolz der Presse präsentiert.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Am 5. Januar 1951 fragt die Frankfurter Allgemeine Zeitung aber noch skeptisch: Was werden wir fernsehen? Man würde es begrüßen, wenn "das Fernsehen nicht in jenen Vergnügungstingeltangel abgleitet", der aus Amerika käme.

 

 

Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Optimistischer beobachtet der Fernsehspezialist der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, Martin Svoboda eine "dicke und sehr kompakte Menschentraube" vor dem Schaufenster des Pressehauses am Speersort.

 

Etwa 70 Zuschauer sind aufgeregt sich als "Fernsehpioniere" zu fühlen, einige haben sogar Opergläser mitgebracht, um das Geschehen auf dem 30 mal 40 Zentimeter großen Bildschirm besser verfolgen zu können. Direktübertragungen werden kommentiert, aber Alles wird stumm, als ein Spielfilm folgt. Ein anwesender Taxifahrer mutmaßt: "Tja, da braucht man ja nicht mehr ins Kino zu gehen!" (WAZ 15.2.1951)

 

Später in diesem Jahr sagt NWDR-Programmdirektor Werner Pleister deutlich:
"Wir werden weniger unterhaltend sein als die Amerikaner und zeigen, dass es ohne "Hypnose und Dauerberieselung" geht. Wir werden nicht amerikanischen Vorbildern folgen, sondern täglich nur zwei bis drei Stunden eine gehaltvolle Kost anbieten." (WAZ 21.9.1951)

 

 

Hamburger Morgenpost

Die Hamburger Morgenpost prangert jedoch die Fernseh-Ebbe beim NWDR an: Es liefen nur noch Filme in Wiederholung; die Rundfunkzeitschriften kündigten gar keine Sendungen mehr an. Es müsse wohl gespart werden, vermutet das Boulevardblatt, und es fehle an einer klaren Führung. (Mopo14.11.1951)

 

 

Christ und Welt

Angesichts solcher Kritik tritt der NWDR wenig später die Flucht nach vorn an und kündigt die Livesendung einer Blinddarmoperation auf dem Internationalen Ärztekongress in Hamburg an.

 

Die Wochenzeitung Christ und Welt empört sich am 22. November 1951 über diese "Sensationshascherei", diesen "Nervenkitzel": "Eine fernsehgesendete Operation wäre die Entweihung ärztlicher Kunst, wäre eine unstatthafte Einmischung in das Dreieck Gott, Patient und Operateur."

 

Svoboda kontert im Namen das NWDR mit: "Ein kühner Schritt des NWDR im Dienste der Heilkunst."(WAZ 6.12.1951)

 

 

Mitteilungsblättchen Ansage des NWDR

Die erste Fußballübertragung flimmert im August 1952 über die Bildschirme. Dazu verkündet das Mitteilungsblättchen des NWDR: "Alle sieben Tore des Tages konnten mit einer Präzision beobachtet werden, die dem Sportfreund bequem im Sessel sitzend die Beobachtung des Spieles zu einem wahren Genuss machte." (Ansage 28.8.1952)

 

 

Die deutsche Zukunft

Nach weiteren Erfolgsmeldungen folgt am 13.09.1952 die überraschende Mitteilung: Der NWDR stellt den Fernsehbetrieb ein! Die Sendepause soll zur Vorbereitung des Weihnachtsfestes genutzt werden, zu dem das tägliche Fernsehen starten soll. Kritik wird geäußert am "großen Schweigen von Hamburg", vor allem an den "Fernsehbeamten", die mit der Entwicklung nicht Schritt halten können. Oder geht das Geld aus? Vier Millionen Mark soll der Versuchssender in einem Jahr verschlungen haben. (Die deutsche Zukunft 18.10.1952)

 

 

Norddeutsche Zeitung

Vorbereitung auf den "großen Start" am 25. Dezember 1952: Auf einer ganzen Seite mit vielen Bildern verspricht die "Funk-Wacht" "technischen und künstlerischen Genuß für alle jetzigen und künftigen Fernseher". (2.11.1952) Die Pressestelle des NWDR gibt an, dass 60 Prozent der Bevölkerung im NWDR-Sendebereich Empfang hätten. Generaldirektor Adolf Grimme meint zum Fernsehstart, der Hauptinteressent sei der "Kleine Mann". (Norddeutsche Zeitung 20.12.1952)

 

 

Münchner Merkur

Zum Fernsehstart sind im Sendegebiet nicht mehr als 2000 Geräte empfangsbereit; die meisten stehen in Salons, Gaststätten und in den Schaufenstern der Radio-Geschäfte, in und vor denen sich viele Menschen drängeln. (Münchner Merkur 29.12.1952)

 

 

Hamburger Echo

Obwohl es damals 15,4 Millionen potentielle Zuschauer gibt, ist nicht bekannt, wie viele tatsächlich auf einen Bildschirm sahen - in Lübeck waren z.B. gerade einmal vier private Fernsehempfänger gemeldet. (Hamburger Anzeiger 31.12.1952) Für die Übertragung der ersten Sitzung des neugewählten Bundestages kündigt die Welt am 14.10.1953 an, man rechne mit 13.000 Empfängern, davon allerdings 8000 "Schwarzseher" - denen das Programm offensichtlich nicht fünf Mark wert war.

 

"Der Tag, an dem das Fernsehen so wie der Rundfunk zu den Selbstverständlichkeiten des Lebens gehört, ist auch in Deutschland nicht mehr allzu fern. Dem Fernsehen gehört die Zukunft." (Hamburger Echo 26.9.1953)