Ein Platz für Tiere


Start der Tierfilmreihe

Prof. Dr. Bernhardt Grzimek, der Zoodirektor in Frankfurt am Main, startet im Oktober 1956 mit seiner Tierfilmreihe Ein Platz für Tiere. Die Reihe zeigt Aufnahmen aus verschiedenen Zoos und von Tieren in ihrer Heimat. Grzimek moderiert seine Tierfilme im Studio, hinter einem Tisch sitzend, an und seine Begrüßungsfloskel lautet immer "Guten Abend, meine lieben Freunde". Dabei hat er oft einen Affen auf dem Tisch, einen Geparden im Arm oder eine Schlange um den Hals. Weil die Sendung live ausgestrahlt wird, sind kleinere Pannen nicht zu vermeiden. So pinkelt beispielsweise ein Affe auf Grzimeks Jackett oder die Ansagerin, die damals noch im gleichen Studio sitzt, wird nervös, weil ihr ein Pinselschwein um die Beine schleicht.

Der Erfolg der Reihe

Die Premierensendung trägt noch den Titel Ein Platz für wilde Tiere, angelehnt an den Dokumentarfilm Kein Platz für wilde Tiere, den Bernhard Grzimek zuvor mit seinem Sohn Michael gedreht hat. Die Fernsehreihe läuft von Beginn an im Hauptabendprogramm, die Folgen dauern jedoch anfangs nicht länger als 15 Minuten. Parallel zur steigenden Beliebtheit Grzimeks und seiner Reihe wird die Sendezeit schrittweise auf 45 Minuten ausgedehnt. Ein Platz für Tiere bringt es insgesamt auf 175 Folgen. Ihr Produzent ist Martin Jente. Nach Grzimeks Tod wird sie eingestellt.

Grzimek der Umweltschützer

Grzimek vermittelt den Fernsehzuschauern ein enormes Wissen über Tiere. Er berichtet über die Ernährung, die Lebensweise und das Überleben aller erdenklicher Arten von Tieren. Vor allem aber geht es ihm um große, wilde Tiere, die von den Menschen als Bedrohung empfunden werden, in Wirklichkeit aber selbst bedroht sind. Außerdem berichtet er über fremde Völker. Als bekennender Tier- und Naturschützer wird er zum Vorkämpfer der späteren Umweltschutzbewegungen.



Es gelingt ihm, ein großes Publikum erstmals für Natur und Tiere zu interessieren und es über drei Jahrzehnte zu fesseln. Der Erfolg lässt sich nicht nur an der Einschaltquote messen, Grzimek sammelt über 30 Millionen DM Spenden für den Naturschutz und ermöglicht u. a. die Umwandlung des kenianischen Meru-Gebiets in einen Nationalpark. Bundeskanzler Willy Brandt ernennt Grzimek 1970 zum Bundesbeauftragten für Naturschutz, Grzimek tritt jedoch bald zurück, weil er über wenig Befugnisse verfügt und seine Popularität nicht als Werbemaßnahme für eine Partei mißverstanden haben will.